Ab wann spricht man von Überprotektion?
Die DGUV Regel 112-194 empfiehlt, Gehörschutz so auszuwählen, dass am Ohr 70 bis 80 dB(A) ankommen. Ein Restpegel unter 70 dB(A) kann eine Überprotektion darstellen. Über 85 dB(A) ist der Schutz unzureichend und nach § 8 LärmVibrationsArbSchV nicht zulässig.
| Restpegel am Ohr | Bewertung |
|---|---|
| über 85 dB(A) | nicht zulässig |
| über 80 bis 85 dB(A) | nicht empfehlenswert |
| 70 bis 80 dB(A) | empfehlenswert |
| unter 70 dB(A) | Verständigung und Isolationsgefühl prüfen |
Was zu viel Dämmung bewirkt
- Warnsignale, Rückfahrpiepser und Zurufe werden schlechter wahrgenommen.
- Gespräche werden mühsam, der Gehörschutz wird für Absprachen herausgenommen.
- Viele empfinden starke Dämmung als Isolation und tragen den Gehörschutz seltener. Der Schutz über die Schicht sinkt.
Zwei Rechenbeispiele
Gerechnet nach dem HML-Check der DGUV Regel 112-194 für mittel- bis hochfrequenten Lärm. 100 dB(A), Einweg-Schaumstöpsel EP1227 mit M 35 dB: 100 − (35 − 9) = 74 dB(A). Passt. 90 dB(A), dieselben Stöpsel: 90 − 26 = 64 dB(A). Zu viel. Hier ist ein Gehörschutz mit geringerer Dämmung die bessere Wahl, etwa der Bügelgehörschutz EP102BO mit 90 − (24 − 5) = 71 dB(A) oder der Kapselgehörschutz EP904 mit 90 − (25 − 5) = 70 dB(A).
Unter etwa 89 dB(A) dämmt auch der leichteste Gehörschutz im EarProtect-Sortiment rechnerisch mehr als nötig. Für solche Pegel lohnt ein Blick auf Gehörschutz mit noch geringerer oder pegelabhängiger Dämmung. Unser Gehörschutz-Finder zeigt für jeden Pegel, welche EarProtect-Produkte im empfohlenen Bereich liegen.
Wo Überprotektion besonders kritisch ist
- Verkehrswege: Wo Stapler, Lkw oder Krane fahren, müssen Hupen und Rückfahrwarner hörbar bleiben.
- Teamarbeit: Beim Einweisen, Anschlagen von Lasten oder an Linien mit Zurufen ist Sprachverständlichkeit Teil der Sicherheit.
- Alarmierung: Feuer- und Evakuierungssignale müssen im ganzen Lärmbereich wahrnehmbar sein.
- Beschäftigte mit Hörminderung: Hier gehört die Auswahl in die Beratung mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt.
Signale vor Ort prüfen
Ob Warnsignale mit Gehörschutz hörbar bleiben, lässt sich einfach testen: Signal auslösen und mit eingesetztem Gehörschutz an den typischen Arbeitspositionen prüfen, bei laufenden Maschinen. Was nicht eindeutig zu hören ist, braucht einen anderen Gehörschutz oder ein zusätzliches optisches Signal.
So vermeiden Sie Überprotektion
- Den Lärmpegel am Arbeitsplatz kennen, aus Messung oder Gefährdungsbeurteilung.
- Den Restpegel mit dem M-Wert und Praxisabschlag berechnen, bei tieffrequentem Lärm mit dem L-Wert.
- Gehörschutz wählen, der 70 bis 80 dB(A) am Ohr ergibt, nicht den mit dem höchsten SNR.
- Beschäftigte fragen: Werden Signale und Sprache noch verstanden?
Häufige Fragen
Kann Gehörschutz zu stark sein?
Ja. Liegt der Restpegel am Ohr unter 70 dB(A), sollen laut DGUV Regel 112-194 Verständigung und Isolationsgefühl geprüft werden. Wo Warnsignale oder Kommunikation wichtig sind, ist Überprotektion unzulässig.
Welcher Gehörschutz passt bei 90 dB(A)?
Rechnerisch einer mit 10 bis 20 dB wirksamer Dämmung, also M-Wert minus Praxisabschlag. Im EarProtect-Sortiment sind das der Bügelgehörschutz EP102BO und der Kapselgehörschutz EP904.
Ist Überprotektion gefährlich?
Sie schadet dem Gehör nicht direkt, erhöht aber das Unfallrisiko, weil Signale überhört werden, und senkt die Tragebereitschaft.