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Warnsignale und Sprache mit Gehörschutz hören

Wer Gehörschutz trägt, hört den Lärm leiser, aber auch Warnsignale und Gespräche. Die Gefährdungsbeurteilung muss das berücksichtigen. Der Beitrag fasst zusammen, was die DGUV Regel 112-194 zu Hörproben, Kennzeichen und Richtungshören sagt.

Stand 17. Oktober 2026, DS SafetyWear Arbeitsschutzprodukte GmbH

Das Problem

Mit Gehörschutz spricht man leiser, und Signale können überhört werden. Die Gefährdungsbeurteilung muss auch mittelbare Gefährdungen berücksichtigen, etwa wenn Lärm die Wahrnehmung von Warnsignalen stört (§ 3 Abs. 3 LärmVibrationsArbSchV). Eine zu hohe Dämmung ist nach der DGUV Regel 112-194 (Abschnitt 6.2.7) unzulässig, wenn Warnsignale, Warnrufe, informationshaltige Geräusche oder Kommunikation wichtig sind (Überprotektion).

Kennzeichen für Signalhörbarkeit

Kennzeichen nach DGUV Regel 112-194, Abschnitt 6.5
KennzeichenBedeutungHinweis
Wfür Warnsignale, informationshaltige Geräusche und Sprache geeignetmittlere Steigung der Oktavdämmung von 125 bis 4000 Hz höchstens 3,6 dB je Oktave; individuelle Hörprobe bleibt nötig
Xextrem flacher Frequenzganghöchstens 2 dB je Oktave; die Differenz aus H- und L-Wert liegt meist bei höchstens 7 dB; empfohlen etwa für Musiker oder Personen mit Hörminderung
SGleisoberbaubehördliche Sonderanforderung, dazu individuelle Hörprobe
VStraßenverkehrbehördliche Sonderanforderung, dazu individuelle Hörprobe
E1 bis E3Eisenbahnbehördliche Sonderanforderung, dazu individuelle Hörprobe

Gibt es keine besonderen Anforderungen, ist Gehörschutz mit flachem Frequenzgang zu empfehlen. Je kleiner der Unterschied zwischen H- und L-Wert, desto gleichmäßiger dämmt ein Gehörschützer; die Werte aller EarProtect-Modelle stehen unter Dämmwerte, die Erklärung unter SNR und H/M/L.

Hörproben

  • Sprache: Die Verständigung ist durch Hörproben unter Betriebsbedingungen zu prüfen, auch bei Gehörschützern mit Kennzeichen W (Abschnitt 7.7.1).
  • Informationshaltige Arbeitsgeräusche: Eine Hörprobe ist in jedem Fall nötig; eine Gewöhnung an den veränderten Höreindruck kann erforderlich sein (7.7.2).
  • Warnsignale: Sie müssen mit dem Gehörschutz eindeutig wahrnehmbar sein, sonst ist der Lärm zu mindern oder das Signal zu ändern. Vor dem ersten Gebrauch sind Hörproben nach DIN EN ISO 7731 Anhang C nötig (7.7.3).
  • Gleisbau (S): tägliche Hörproben. Straßenverkehr (V): mindestens alle drei Jahre. Eisenbahn (E1 bis E3): alle drei Jahre und zusätzlich täglich eine Prüfung der Funkverständlichkeit.

Richtungshören

Kapselgehörschützer erschweren das Orten von Schallquellen und werden bei Arbeiten an Fahrzeugen oft abgelehnt. Gehörschutzstöpsel helfen dort meist (Abschnitte 6.4.2 und 7.7.4). Weitere Kriterien zeigt Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz?.

Bei bestehender Hörminderung

Schwerhörige verstehen schon ohne Gehörschutz schlechter, mit Gehörschutz noch schlechter. Es kann sein, dass bereits unter 85 dB(A) keine Verständigung mehr möglich ist. Dann ist die Gefährdungsbeurteilung anzupassen, zum Beispiel durch optische Signale, Funk oder Handzeichen (Abschnitt 7.7.5).

Was Betriebe tun können

  1. Alle Warnsignale und wichtigen Geräusche am Arbeitsplatz erfassen (Gefährdungsbeurteilung).
  2. Lärm mindern oder Signale ändern, wenn sie mit Gehörschutz nicht eindeutig wahrnehmbar sind.
  3. Gehörschutz mit flachem Frequenzgang wählen und Hörproben unter Betriebsbedingungen durchführen.
  4. Bei Atemschutz darauf achten, dass akustische Warnsignale des Atemschutzgeräts hörbar bleiben (Abschnitt 7.9.3).
  5. Hörbarkeit von Sprache und Warnsignalen in der Unterweisung üben.

Häufige Fragen

Hört man mit Gehörschutz noch Warnsignale?

Das muss geprüft werden. Warnsignale müssen mit dem Gehörschutz eindeutig wahrnehmbar sein; sonst ist der Lärm zu mindern oder das Signal zu ändern. Vor dem ersten Gebrauch sind Hörproben nach DIN EN ISO 7731 Anhang C nötig.

Was bedeutet das Kennzeichen W bei Gehörschutz?

Der Gehörschützer ist für Warnsignale, informationshaltige Geräusche und Sprache geeignet: Die mittlere Steigung der Oktavdämmung von 125 bis 4000 Hz beträgt höchstens 3,6 dB je Oktave. Eine individuelle Hörprobe bleibt nötig.

Wie oft sind Hörproben nötig?

Das hängt vom Einsatz ab: vor dem ersten Gebrauch, im Gleisbau täglich, im Straßenverkehr mindestens alle drei Jahre, bei Triebfahrzeugführenden alle drei Jahre plus täglich eine Prüfung der Funkverständlichkeit.

Welcher Gehörschutz eignet sich, wenn man die Richtung von Geräuschen hören muss?

Meist Gehörschutzstöpsel. Kapselgehörschützer erschweren das Orten von Schallquellen (Abschnitte 6.4.2 und 7.7.4).

Quellen