Die Regel: während der gesamten Lärmeinwirkung
Nach der DGUV Regel 112-194 (Abschnitt 7.6) muss Gehörschutz bei gehörgefährdendem Lärm während der gesamten Aufenthaltsdauer getragen werden. Die Regel begründet das mit einer Rechnung: Weil Schallenergie gemittelt wird, bestimmen die Tragepausen die Schutzwirkung im Wesentlichen, nicht die Dämmung des Produkts. Im Lärmbereich ist die Benutzung ab den oberen Auslösewerten von 85 dB(A) und 137 dB(C) ohnehin Pflicht (Abschnitt 7.4, Pflichten im Überblick).
Das Rechenbeispiel der DGUV Regel
Bei einem Dauerpegel von 105 dB(A) über acht Stunden und einem Gehörschutz mit 30 dB Dämmung kommen am Ohr 75 dB(A) an, wenn er ganztägig getragen wird. Wird er 30 Minuten nicht getragen, sind es 93 dB(A). Das Risiko für das Gehör bleibt dann bestehen. Die Regel nennt außerdem die Faustformel aus DIN EN 458: Wird Gehörschutz an einem Achtstundentag nur vier Stunden getragen, beträgt die effektive Schutzwirkung höchstens 3 dB.
So lässt sich die Wirkung ausrechnen
Wirksame Minderung über den Tag = −10 · lg [ x + (1 − x) · 10^(−D/10) ] dB. Dabei ist x der Anteil der Zeit ohne Gehörschutz an der Dauer der Lärmeinwirkung und D die wirksame Dämmung am Ohr in dB, also der M- bzw. L-Wert nach Abzug des Praxisabschlags.
| Zeit ohne Gehörschutz | Wirksame Minderung bei 30 dB Dämmung | Wirksame Minderung bei 20 dB Dämmung |
|---|---|---|
| keine | 30,0 dB | 20,0 dB |
| 5 Minuten | 19,4 dB | 16,9 dB |
| 15 Minuten | 14,9 dB | 13,9 dB |
| 30 Minuten | 12,0 dB | 11,4 dB |
| 1 Stunde | 9,0 dB | 8,7 dB |
| 2 Stunden | 6,0 dB | 5,9 dB |
| 4 Stunden | 3,0 dB | 3,0 dB |
Die Tabelle zeigt, warum die Dämmung allein wenig sagt: Bei 30 dB Dämmung halbieren schon 15 Minuten ohne Schutz die Wirkung über den Tag. Ein Gehörschutz mit 20 dB, der immer getragen wird, schützt über den Tag mit 20,0 dB deutlich besser als einer mit 30 dB, der eine Stunde täglich in der Tasche bleibt und nur 9,0 dB erreicht. Zur Berechnung des Tageswerts selbst siehe Tages-Lärmexpositionspegel berechnen.
Was gegen Tragepausen hilft
Die DGUV Regel 112-194 nennt in Abschnitt 7.2 Maßnahmen, die die Tragebereitschaft erhöhen. Abmahnungen sind danach nur das letzte Mittel.
- Probetragen und Auswahl: Beschäftigte probieren mehrere Modelle, bei Einwegstöpseln in mehreren Größen. Vergleichskriterien zeigt Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz?.
- Otoplastiken: Individuell angepasster Gehörschutz wirkt oft motivierend.
- Musik bei monotoner Arbeit: Gehörschützer mit Radio oder Musikwiedergabe können helfen, wenn Sicherheitsgründe nicht dagegen sprechen.
- Unterweisung mit Hörbeispielen: Mindestens einmal jährlich praktisch unterweisen; Hörbeispiele können eine Schwerhörigkeit simulieren (Unterweisung Gehörschutz).
- Vorbild und Nachfragen: Führungskräfte tragen selbst Gehörschutz, auch bei kurzen Aufenthalten, und sprechen Nichtnutzung umgehend an, um die Gründe zu klären.
- Gehörschutz griffbereit halten: Ausgabestellen am Eingang zum Lärmbereich, zum Beispiel Spender.
Wenn zu viel Dämmung der Grund ist
Wer nur kurz mit Kollegen sprechen oder ein Signal hören will, nimmt Gehörschutz eher ab, wenn er stark isoliert. Ein Restpegel unter 70 dB(A) kann das fördern. Näheres steht unter Überprotektion und Warnsignale und Sprache mit Gehörschutz hören.
Häufige Fragen
Wie lange muss man Gehörschutz tragen?
Bei gehörgefährdendem Lärm während der gesamten Aufenthaltsdauer im Lärm (DGUV Regel 112-194, Abschnitt 7.6). Im Lärmbereich ist die Benutzung ab den oberen Auslösewerten (85 dB(A) und 137 dB(C)) Pflicht.
Wie viel Schutz bleibt, wenn man Gehörschutz nur halb so lange trägt?
Höchstens 3 dB. Wird Gehörschutz an einem Achtstundentag nur vier Stunden getragen, beträgt die effektive Schutzwirkung laut DGUV Regel 112-194 (Anmerkung nach DIN EN 458) höchstens 3 dB.
Was passiert, wenn man Gehörschutz kurz abnimmt?
Die Wirkung sinkt stark. Beispiel der DGUV Regel: Bei 105 dB(A) und 30 dB Dämmung kommen ganztägig 75 dB(A) am Ohr an; ohne Gehörschutz für 30 Minuten sind es 93 dB(A).
Was bringt mehr: höhere Dämmung oder konsequentes Tragen?
Konsequentes Tragen. Die Regel stellt fest, dass die Tragepausen die Schutzwirkung im Wesentlichen bestimmen, nicht die Schalldämmung des Produkts.