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Restpegel am Ohr berechnen: der HML-Check

Der Restpegel ist der Schallpegel, der unter dem Gehörschutz am Ohr ankommt. Er entscheidet, ob ein Gehörschützer für einen Arbeitsplatz geeignet ist. Die DGUV Regel 112-194 beschreibt dafür einen einfachen Rechenweg, den HML-Check.

Stand 18. Oktober 2026, DS SafetyWear Arbeitsschutzprodukte GmbH

Ziel der Rechnung

Am Ohr dürfen höchstens 85 dB(A) und 137 dB(C) ankommen (§ 8 Abs. 2 LärmVibrationsArbSchV). Die DGUV Regel 112-194 empfiehlt einen Restpegel von 70 bis 80 dB(A). Darunter droht Überprotektion.

Beurteilung der Schutzwirkung nach DGUV Regel 112-194 (2024), Anhang 2, Tabelle 5
RestschalldruckpegelRestspitzenschalldruckpegelBeurteilung
über 85 dB(A)über 137 dB(C)nicht zulässig
über 80 dB(A)über 135 dB(C)nicht empfehlenswert
70 bis 80 dB(A)bis 135 dB(C)empfehlenswert
unter 70 dB(A)-Verständigung und Isolationsgefühl prüfen

Die Rechnung in fünf Schritten

  1. Pegel am Arbeitsplatz bestimmen. Gebraucht wird der Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h aus Messung oder Datenbank (Tageswert berechnen).
  2. Geräuschklasse festlegen. Ist die Differenz aus C- und A-bewertetem Pegel höchstens 5 dB (LC − LA ≤ 5 dB), ist der Lärm mittel- bis hochfrequent (HM). Ist sie größer als 5 dB, ist er überwiegend tieffrequent (L). Beispiele stehen unter SNR und H/M/L.
  3. Dämmwert nehmen. Aus den Herstellerangaben der M-Wert bei HM-Lärm, der L-Wert bei tieffrequentem Lärm (Dämmwerte).
  4. Praxisabschlag Ks abziehen (Tabelle unten).
  5. Restpegel berechnen und bewerten: L'EX,8h = LEX,8h − (M − Ks) bei HM-Lärm, L'EX,8h = LEX,8h − (L − Ks) bei tieffrequentem Lärm. Das Ergebnis wird mit Tabelle 5 verglichen.

Praxisabschläge Ks

Anhang 1, Tabelle 4 der DGUV Regel 112-194, für ungeübte Benutzer
GehörschutzartKs
vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel9 dB
fertig geformte Gehörschutzstöpsel5 dB
Bügelstöpsel5 dB
Kapselgehörschutz5 dB
Otoplastiken mit Funktionskontrolle (vor der ersten Verwendung und danach höchstens alle drei Jahre)3 dB

Bei sehr hohen Pegeln mit einer Kombination aus Stöpseln und Kapseln gilt 9 dB oder 5 dB, je nach Stöpselart. Bei qualifizierter Benutzung entfällt der Abzug (Ks = 0 dB); siehe Qualifizierte Benutzung.

Rechenbeispiele mit EarProtect-Werten

Rechenbeispiele nach dem HML-Check; M bzw. L aus den Prüfunterlagen (EP1227: M 35 dB; EP904: M 25, L 18 dB; EP906: L 20 dB). Sie zeigen die Rechnung, sie ersetzen keine Prüfung am Arbeitsplatz.
FallRechnungRestpegelBeurteilung
100 dB(A), HM, Schaumstöpsel EP1227 (Ks 9)100 − (35 − 9)74 dB(A)empfehlenswert
90 dB(A), HM, Schaumstöpsel EP1227 (Ks 9)90 − (35 − 9)64 dB(A)unter 70: Verständigung prüfen
90 dB(A), HM, Kapselgehörschutz EP904 (Ks 5)90 − (25 − 5)70 dB(A)empfehlenswert
95 dB(A), tieffrequent, Kapselgehörschutz EP906 (Ks 5)95 − (20 − 5)80 dB(A)empfehlenswert
95 dB(A), tieffrequent, Kapselgehörschutz EP904 (Ks 5)95 − (18 − 5)82 dB(A)nicht empfehlenswert
100 dB(A), HM, Schaumstöpsel EP1227, qualifizierte Benutzung (Ks 0)100 − 3565 dB(A)unter 70: Verständigung prüfen

Das vierte und fünfte Beispiel zeigen, warum die Geräuschklasse zählt: Bei tieffrequentem Lärm gilt der kleinere L-Wert, und zwei Kapseln mit ähnlichem SNR liegen dann um 2 dB auseinander. Welche EarProtect-Produkte bei welchem Pegel im empfohlenen Bereich liegen, rechnet der Gehörschutz-Finder.

Prüfung des Spitzenschalldruckpegels

L'pC,peak = LpC,peak − (M − Ks) bei HM-Lärm; L'pC,peak = LpC,peak − (L − Ks − 5 dB) bei tieffrequentem Lärm. Das Ergebnis muss höchstens 137 dB(C) betragen.

Als gut geeignet gilt der Schutz nach Anhang 2, wenn L'pC,peak höchstens 135 dB(C) beträgt und der Restpegel L'EX,8h zwischen 70 und 80 dB(A) liegt. Mehr zu Knallen und Schlägen steht unter Gehörschutz bei Impulslärm.

Genauere Verfahren

Auswahlmethoden nach DGUV Regel 112-194, Anhang 2
MethodeEingangsgrößenHinweis
HML-CheckLEX,8h (A-bewertet), Geräuschklasse, M oder L, KsFür die betriebliche Praxis; ohne Unterweisung zur qualifizierten Benutzung mit Praxisabschlag
HML-MethodeA- und C-bewerteter Pegel, H, M, L des Herstellers (Pegelminderungswert PNR)L'A = LA − PNR; nur bei qualifizierter Benutzung
Oktavband-MethodePegel je Oktavband, Frequenzbewertung, angenommene Schutzwirkung APV je BandAufwendig, für Einzelfälle, zum Beispiel bei Hörminderung; setzt qualifizierte Benutzung voraus
SNR-MethodeC-bewerteter Pegel, SNRUngenauer; ziehen Sie den SNR nie vom A-bewerteten Pegel ab

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Restpegel unter dem Gehörschutz?

Mit dem HML-Check: Restpegel = Lärmpegel − (M − Praxisabschlag) bei mittel- bis hochfrequentem Lärm, Lärmpegel − (L − Praxisabschlag) bei tieffrequentem Lärm. Das Ergebnis soll 70 bis 80 dB(A) betragen.

Was ist der Praxisabschlag Ks?

Ein Abzug vom M- bzw. L-Wert, weil Gehörschutz in der Praxis weniger dämmt als im Labor: 9 dB bei zu formenden Schaumstöpseln, 5 dB bei fertig geformten Stöpseln, Bügelstöpseln und Kapseln, 3 dB bei Otoplastiken mit Funktionskontrolle.

Wann entfällt der Praxisabschlag?

Bei qualifizierter Benutzung: praktische Unterweisung mindestens viermal im Jahr, dokumentiert (DGUV Regel 112-194, Abschnitt 6.2.5 und Anhang 1).

Woran erkenne ich, ob Lärm tieffrequent ist?

Über die Differenz aus C- und A-bewertetem Pegel: Ist LC − LA größer als 5 dB, rechnet man mit dem L-Wert, sonst mit dem M-Wert.

Reicht der SNR zur Berechnung?

Nicht beim HML-Check, der mit M bzw. L rechnet. Die SNR-Methode setzt den C-bewerteten Pegel voraus und ist ungenauer; den SNR einfach vom A-bewerteten Pegel abzuziehen ist falsch.

Quellen