Was der Spitzenschalldruckpegel ist
Der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak ist der höchste Wert des momentanen Schalldruckpegels, C-bewertet (§ 2 Abs. 4 LärmVibrationsArbSchV). Er hat eigene Auslösewerte: 135 dB(C) als unterer und 137 dB(C) als oberer Wert. Am Ohr dürfen 137 dB(C) nicht überschritten werden (§ 8 Abs. 2). Typische Quellen sind Richt- und Hämmerarbeiten oder Druckluftnagler (Lärmpegel-Tabelle).
Drei Fälle nach DGUV Regel 112-194
| Fall | Gehörschutz | Hinweis |
|---|---|---|
| Dauerlärm mit LEX,8h ab 85 dB(A) und impulshaltigen Geräuschen | üblicher Gehörschutz, Dämmung am LEX,8h ausgerichtet | Spitzenpegel-Auslösewerte prüfen; meist ist der Tagespegel das strengere Kriterium |
| Hohe Einzelimpulse bei LEX,8h bis 80 dB(A) | pegelabhängig dämmender Gehörschutz | muss die Impulse ausreichend dämmen und in ruhigeren Phasen Hören und Kommunikation ermöglichen; Eignung nach den passiven M- bzw. L-Werten |
| Extrem hohe Impulse, etwa Waffenknalle, Explosionen oder Richtarbeiten an großen Tankbehältern | Spitzenpegel maßgeblich; gegebenenfalls Stöpsel und Kapsel kombiniert | Restschallpegel am Ohr höchstens 137 dB(C); bei Schutzbrillen Leckage durch die Bügel beachten |
Spezielle Impulsfilterstöpsel, wie sie im polizeilichen Bereich verwendet werden, wirken nach der Regel erst ab etwa 150 dB(C) deutlich und sind oft nicht nach der PSA-Verordnung zugelassen.
Spitzenpegel am Ohr berechnen
L'pC,peak = LpC,peak − (M − Ks) bei mittel- bis hochfrequentem Impuls; L'pC,peak = LpC,peak − (L − Ks − 5 dB) bei tieffrequentem. Zulässig sind höchstens 137 dB(C); als gut geeignet gilt der Schutz bis 135 dB(C).
| Spitzenpegel | Impulsart | Rechnung | Am Ohr | Beurteilung |
|---|---|---|---|---|
| 150 dB(C) | mittel- bis hochfrequent | 150 − (25 − 5) | 130 dB(C) | bis 135: gut geeignet |
| 160 dB(C) | mittel- bis hochfrequent | 160 − (25 − 5) | 140 dB(C) | über 137: nicht zulässig |
| 150 dB(C) | tieffrequent | 150 − (18 − 5 − 5) | 142 dB(C) | über 137: nicht zulässig |
Das dritte Beispiel zeigt: Bei tieffrequenten Impulsen fällt die Dämmung deutlich geringer aus, weil neben dem kleineren L-Wert 5 dB zusätzlich abgezogen werden. Das Rechenverfahren für Tages- und Spitzenpegel steht ausführlich unter Restpegel am Ohr berechnen. Reicht ein Gehörschutz nicht, ist eine Kombination aus Stöpsel und Kapsel zu prüfen.
Pegelabhängig dämmender Gehörschutz
Elektronischer Gehörschutz mit pegelabhängiger Schalldämmung verstärkt leise Signale. Die Verstärkung nimmt mit steigendem Außenpegel ab. Der Elektronikanteil im Innenpegel ist typischerweise auf höchstens 82 dB(A) begrenzt. Bis etwa 82 dB(A) ist die Wahrnehmung meist besser als bei anderen Gehörschutzarten; bei hohen Pegeln können je nach passiver Dämmung über 85 dB(A) am Ohr ankommen (Abschnitt 4.6.1). Deshalb zählen für die Beurteilung der Impulse die passiven Dämmwerte.
Vorgehen im Betrieb
- Spitzenpegel und Tagespegel in der Gefährdungsbeurteilung ermitteln.
- Zuerst Impulse an der Quelle mindern (Rangfolge der Maßnahmen).
- Den Fall nach Abschnitt 6.8 bestimmen und Gehörschutz mit passender Dämmung auswählen.
- Spitzenpegel und Tageswert am Ohr rechnen und mit Tabelle 5 vergleichen.
- Verständigung und Warnsignale prüfen (Hörproben).
Häufige Fragen
Ab welchem Pegel ist der Spitzenschalldruckpegel relevant?
Der untere Auslösewert beträgt 135 dB(C), der obere 137 dB(C) (§ 6 LärmVibrationsArbSchV). Am Ohr dürfen 137 dB(C) nicht überschritten werden (§ 8 Abs. 2).
Welcher Gehörschutz hilft gegen Knalle?
Das hängt vom Fall: bei Dauerlärm mit Impulsen üblicher Gehörschutz nach dem Tagespegel, bei hohen Einzelimpulsen in sonst leiser Umgebung pegelabhängig dämmender Gehörschutz, bei extrem hohen Impulsen eine Auswahl nach dem Spitzenpegel, gegebenenfalls als Kombination (DGUV Regel 112-194, Abschnitt 6.8).
Wie berechnet man den Spitzenpegel am Ohr?
L'pC,peak = LpC,peak − (M − Ks) bei mittel- bis hochfrequenten Impulsen und LpC,peak − (L − Ks − 5 dB) bei tieffrequenten. Das Ergebnis darf 137 dB(C) nicht überschreiten.
Sind Impulsfilterstöpsel zugelassen?
Spezielle Impulsfilterstöpsel wirken nach der Regel erst ab etwa 150 dB(C) deutlich und sind oft nicht nach der PSA-Verordnung zugelassen. Prüfen Sie Kennzeichnung und Baumusterprüfung.
Quellen
- DGUV Regel 112-194, Kapitel 6 Auswahl (Dämmung, Ergonomie, Arbeitsumgebung, Signalhörbarkeit)
- DGUV Regel 112-194, Kapitel 4 Gehörschutzarten (Kombinationen, elektronische Zusatzfunktionen, Lärmarbeitshörgeräte)
- DGUV Regel 112-194, Anhang 1 Rechnerisches Verfahren (Praxisabschläge, Prüfung von L'EX,8h und L'pC,peak)
- DGUV Regel 112-194, Anhang 2 Methoden der Auswahl (Oktavband, HML, HML-Check, Tabelle 5)
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)