Was der Wert aussagt
Nach § 2 der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung ist der Tages-Lärmexpositionspegel der über die Zeit gemittelte Lärmexpositionspegel, bezogen auf eine Achtstundenschicht. Er erfasst alle am Arbeitsplatz auftretenden Schallereignisse. Beim Vergleich mit den Auslösewerten wird die Wirkung von Gehörschutz nicht eingerechnet (§ 6).
Die Formel
TRLV Lärm Teil 2: LEX,8h = LpAeq,Te + 10 · lg (Te / T0) dB. Dabei ist LpAeq,Te der A-bewertete äquivalente Dauerschallpegel des repräsentativen Arbeitstages, Te dessen effektive Dauer und T0 die Bezugsdauer von 8 Stunden.
Wechseln die Pegel im Lauf des Tages, werden die Teilzeiten energetisch zusammengefasst: Jeder Pegel wird delogarithmiert, mit seinem Zeitanteil gewichtet, die Beiträge werden addiert und das Ergebnis wieder logarithmiert.
LEX,8h = 10 · lg [ Σ (Ti / T0) · 10^(Li / 10) ] dB, mit Li als Pegel in dB(A) und Ti als Dauer des jeweiligen Abschnitts.
Drei Rechenbeispiele
Beispiel 1: zwei Abschnitte. Vier Stunden bei 85 dB(A) und vier Stunden bei 79 dB(A). Jeder Abschnitt ist die Hälfte des Tages: 0,5 · 10^8,5 + 0,5 · 10^7,9 ≈ 1,58 · 10^8 + 0,40 · 10^8 = 1,98 · 10^8. Davon 10 · lg ergibt 83,0 dB(A). Der Mittelwert liegt damit über dem arithmetischen Mittel von 82 dB(A), weil die lauten Anteile stärker zählen.
Beispiel 2: kurz und laut. Eine Stunde bei 100 dB(A) und sieben Stunden bei 70 dB(A): (1/8) · 10^10 + (7/8) · 10^7 ≈ 1,25 · 10^9 + 0,009 · 10^9 = 1,26 · 10^9. 10 · lg ergibt 91,0 dB(A). Die eine laute Stunde bestimmt den Tageswert fast allein und liegt deutlich über dem oberen Auslösewert.
Beispiel 3: nur eine Tätigkeit. Wirkt über Te = 4 Stunden ein gleichbleibender Pegel von 88 dB(A) ein, ergibt sich LEX,8h = 88 + 10 · lg (4/8) = 88 − 3,0 = 85,0 dB(A). Halbiert sich die Einwirkzeit, sinkt der Tageswert um 3 dB.
Wie die Einwirkzeit den Tageswert verschiebt
| Einwirkzeit pro Tag | Abzug vom Pegel |
|---|---|
| 8 Stunden | 0 dB |
| 4 Stunden | 3,0 dB |
| 2 Stunden | 6,0 dB |
| 1 Stunde | 9,0 dB |
| 30 Minuten | 12,0 dB |
| 15 Minuten | 15,1 dB |
Häufige Fehler
- Pegel arithmetisch mitteln. Dezibel sind logarithmisch; gemittelt wird die Schallenergie.
- Gehörschutz abziehen. Beim Vergleich mit den Auslösewerten bleibt er unberücksichtigt (Vorsorge bei Lärm).
- Pausen mit Restlärm als lärmfrei werten. Nach TRLV Lärm Teil 2 gilt eine Pause nur dann als lärmfrei, wenn sicher keine Exposition besteht.
- Seltene laute Tage übersehen. Ein Tag mit besonders hoher Exposition, an dem der obere Auslösewert überschritten wird und der seltener als einmal pro Woche vorkommt, gilt als eigener repräsentativer Arbeitstag.
- Spitzenpegel vergessen. Der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak, der Höchstwert des momentanen Schalldruckpegels, ist ein eigener Auslösewert.
Wochen-Lärmexpositionspegel
Schwankt die Exposition von Tag zu Tag so stark, dass sich kein typischer Tageswert angeben lässt, kann ein Wochen-Lärmexpositionspegel gebildet werden, bezogen auf eine 40-Stunden-Woche. Nach TRLV Lärm Teil 2 darf die Behörde das nur genehmigen, wenn der Wert 85 dB(A) nicht überschreitet, eine geeignete Messung dies belegt und Maßnahmen zur Minimierung der Gefährdung getroffen werden.
Rechnen lassen
Das IFA der DGUV stellt einen Lärmexpositionsrechner für Teilzeiten bereit (Delogarithmieren, Summieren, Logarithmieren; Zeitanteile in Minuten, Stunden oder Prozent). Wie viel Dämmung am Ohr nötig ist, zeigt der Gehörschutz-Finder. Die Einordnung in die Maßnahmen steht in der Gefährdungsbeurteilung Lärm.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Tages-Lärmexpositionspegel bei mehreren Tätigkeiten?
Die Pegel werden energetisch zusammengefasst: LEX,8h = 10 · lg [ Σ (Ti / 8 h) · 10^(Li / 10) ]. Ein arithmetischer Mittelwert der Pegel ist falsch.
Wie hoch ist der Tageswert bei vier Stunden mit 88 dB(A)?
85 dB(A), wenn sonst kein Lärm auftritt: 88 + 10 · lg (4/8) = 85,0 dB(A). Das ist der obere Auslösewert.
Gilt der Tageswert mit oder ohne Gehörschutz?
Ohne. Beim Vergleich mit den Auslösewerten bleibt die dämmende Wirkung persönlichen Gehörschutzes unberücksichtigt (§ 6 LärmVibrationsArbSchV).
Was ist der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak?
Der Höchstwert des momentanen Schalldruckpegels. Er hat eigene Auslösewerte von 135 dB(C) (unterer) und 137 dB(C) (oberer).