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Gehörschutz bei Hörminderung, Tinnitus und Hörgerät

Wer schon schlechter hört, ein Ohrgeräusch hat oder ein Hörgerät trägt, braucht bei Lärm besondere Sorgfalt. Die DGUV Regel 112-194 enthält dafür eigene Abschnitte. Der Beitrag fasst sie zusammen.

Stand 18. Oktober 2026, DS SafetyWear Arbeitsschutzprodukte GmbH

Dieser Beitrag fasst eine Arbeitsschutzregel zusammen. Er ist keine medizinische Beratung. Bei Ohrproblemen sprechen Sie mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt oder mit einer HNO-Praxis.

Vorab: nach Ohrproblemen fragen

Vor der ersten Benutzung von Gehörschutz sind Beschäftigte nach bestehenden Ohrproblemen zu befragen, etwa Reizungen des Gehörgangs oder einer laufenden ärztlichen Behandlung (Abschnitt 6.6 der DGUV Regel 112-194). Gibt es solche Befunde, ist vorab eine ärztliche Beratung zur Auswahl einzuholen. Sie gehört zur arbeitsmedizinischen Vorsorge Lärm.

Bei Hörminderung

  • Die Auswahl erfolgt besonders sorgfältig, möglichst nach der Oktavband- oder HML-Methode (Restpegel berechnen).
  • Die Dämmung muss im Betrieb sicher erreicht werden; ärztliche Hinweise sind zu beachten.
  • Warnsignale sind durch Hörproben zu prüfen.
  • Stöpsel mit sehr flachem Frequenzgang (Kennzeichen X) sind zu bevorzugen (Kennzeichen erklärt).
  • Bei anerkanntem Innenohrschaden ist der Gehörschutz nach TRLV Lärm ab 80 dB(A) konsequent zu tragen.

Schwerhörige verstehen schon ohne Gehörschutz schlechter. Es kann sein, dass die Verständigung bereits unter 85 dB(A) nicht mehr möglich ist. Dann ist die Gefährdungsbeurteilung anzupassen, zum Beispiel durch optische Signale, Funk oder Handzeichen (Abschnitt 7.7.5).

Bei Tinnitus

Menschen mit Tinnitus sind besonders vor weiterer Lärmbelastung zu schützen und müssen den Gehörschutz konsequent tragen (Abschnitt 6.7.2). Die Regel weist auf eine Gefahr hin: Arbeitslärm überdeckt den Tinnitus oft, deshalb kann es zu absichtlichen Leckagen kommen, die die Schutzwirkung stark mindern. Gehörschutz mit geringer Dämmung oder mit Radio kann zum Überdecken genutzt werden, wenn keine Sicherheitsgründe dagegen sprechen.

Bei Hyperakusis

Bei dieser Schallüberempfindlichkeit wird die Schmerzgrenze schon bei ungewöhnlich niedrigen Pegeln erreicht. Die Dämmung muss deshalb genau auf das Hörempfinden abgestimmt werden. Die Auswahl erfolgt gemeinsam mit der betroffenen Person und mit Hör- oder Trageversuchen. Für unterschiedliche Tätigkeiten können unterschiedliche Gehörschützer nötig sein (Abschnitt 6.7.3).

Hörgeräte im Lärmbereich

  • Herkömmliche Hörgeräte sollen im Lärmbereich grundsätzlich nicht getragen werden (Abschnitte 4.7 und 7.8).
  • Ausgeschaltete Hörgeräte gelten nicht als Gehörschutz.
  • Kapselgehörschutz über dem Hörgerät ist nicht zu empfehlen, weil Feuchtigkeit die Elektronik schädigen kann.
  • Ausnahme: Eine Otoplastik in Kombination mit einem ausgeschalteten Hörgerät ist geprüft und zertifiziert (unter anderem nach DIN EN 352-2) und für den Arbeitsplatzpegel geeignet.

Zugelassene Lärmarbeitshörgeräte haben ein Ohrpassstück, das als Gehörschutz-Otoplastik wirkt, und ein Arbeitsschutzprogramm auf Programmplatz 1, das beim Einschalten automatisch aktiv ist. Ihr Schalldruckpegel ist begrenzt: Bis zu einem produktspezifischen Kriteriumspegel wird bei durchschnittlicher Sprachkommunikation der Expositionswert von 85 dB(A) nicht überschritten (Abschnitt 4.7). Hörgeräte sind in Deutschland Medizinprodukte der Klasse IIa.

Häufige Fragen

Welcher Gehörschutz ist bei Schwerhörigkeit geeignet?

Die Auswahl soll besonders sorgfältig erfolgen, möglichst nach der Oktavband- oder HML-Methode, mit ärztlichen Hinweisen und Hörproben für Warnsignale. Stöpsel mit sehr flachem Frequenzgang (Kennzeichen X) sind zu bevorzugen (DGUV Regel 112-194, Abschnitt 6.7.1).

Darf man mit Hörgerät im Lärmbereich arbeiten?

Herkömmliche Hörgeräte sollen dort nicht getragen werden. Zugelassen sind Lärmarbeitshörgeräte mit Otoplastik als Gehörschutz und einem Arbeitsschutzprogramm auf Programmplatz 1 (Abschnitte 4.7 und 7.8).

Ist ein ausgeschaltetes Hörgerät ein Gehörschutz?

Nein. Ausgeschaltete Hörgeräte gelten nicht als Gehörschutz (Abschnitt 7.8).

Was gilt bei Tinnitus?

Gehörschutz konsequent tragen. Die Regel warnt vor absichtlichen Leckagen, weil Arbeitslärm den Tinnitus überdeckt. Besprechen Sie die Auswahl mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt.

Was ist Hyperakusis?

Eine Schallüberempfindlichkeit, bei der die Schmerzgrenze schon bei ungewöhnlich niedrigen Pegeln erreicht wird. Die Dämmung ist dann genau auf das Hörempfinden abzustimmen, mit Hör- oder Trageversuchen.

Quellen